Feigheit

Eugen Roth: Feigehit
Eugen Roth: Feigheit

Wenn ich Furcht davor habe, nicht den Anforderungen einer Situation zu genügen, kann ich mich feige verhalten. Feigheit – etymologisch aus dem altgermanischen heisst so viel, wie: „dem Tode verfallen“. Wenn ich mich feige verhalte, fühle ich mich schutzlos und „irgendwie“ klein(er), als ich müsste. Ich mag es gar nicht, feige zu sein. Über das konkrete Verhalten hinaus, werfe ich mir dann oft vor, meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden zu sein.

Die Abwertung meines Selbst in solchen Momenten der Feigheit dient einer „Abstrafung“ dieser Reaktion auf entstandene Situationen. Ich will nicht ein Mensch sein, der sich feige verhält. Die Tendenz, mehr von mir zu verlangen, als von anderen Menschen und mein „Versagen“ bezüglich meiner eigenen Anforderungen als „feindlich“ zu begreifen, erleichtert es nicht, mit solchen „Niederlagen“ umzugehen.

Mir erscheint bedeutungsvoll, dass die Etikettierung meines Verhaltens als „feige“ eine Bewertung und keine Beschreibung meines Verhaltens enthält. Eigene Leistung nicht aus dem Selbst stammend zu attribuiieren – hingegen „Versagen“ ausschliesslich auf eigene Unzulänglichkeiten zurückzuführen: So „baut“ man sich eine starre Persönlichkeitsformation, die getragen wird von Glaubenssätzen. Diese stabilisieren die „automatische“ Bewertungsroutinen.

Ein Verhalten, das nicht von Mut, Tatkraft und Lebendigkeit flexibel im Leben „tanzt“ gefällt mir nicht. Aber es geschieht. Und ich kann in den betreffenden Situationen (vielleicht) gar nicht anders handeln. Jedenfalls konnte ich es faktisch nicht. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass ein hilfreicherer Weg, als der der „automatischen alten Verhaltens- und Bewertungsroutinen“ angesagt ist. Dabei versuche ich, zu analysieren, wie die Situation entstanden ist. Und kann vielleicht ein „Muster“ erkennen. Mit dieser Mustererkennung im Hinterkopf kann ich versuchen, die Routinen an den Stellen zu unterbrechen, in denen ich Signalen gewahr werde, die der Situation „vorauslaufen“.

Damit verlasse ich den Bereich des Selbstmitleids und der Selbstabwertung und kehre zurück auf einen Weg, auf dem ich aktiv mein Leben und mein Befinden reguliere. Feigheit kann begegnet werden, indem die Bedingungen ihres Entstehens von mir begriffen, verstanden – und angenommen werden. Annehmen heisst: Das ist ein Teil von mir, der mir dient – auch wenn er mir nicht gut gefällt. Wenn ich feige war, dann ist das eine Chance, den Entstehungsbedingungen meiner Feigheit regulierend zu begegnen.

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